Baumgeschichten - Jürgen Schuller

Baumgeschichte des Monats

Fichtenwald mit Marterl
Ein Marterl - tief in den Wäldern der Oberpfalz

Baumgeschichten sind immer auch Waldgeschichten. Und eine davon erzählt diese alte Sandsteinsäule bei Vilseck  mitten im Wald…

 

Jetzt im 21. Jahrhundert, werden nur noch unverbesserliche Betonköpfe bestreiten, dass  Wälder unseren Schutz brauchen. Lange Zeit war das ganz anders. In unserem Kulturkreis wurden die tiefen dunklen Wälder lange auch als Bedrohung erlebt. Hänsel, Gretel und Rotkäppchen können ein Lied davon singen. ;-) Und Redewendungen wie „auf dem Holzweg“ sein, zeigen, dass die damit gemeinten Waldwege, die zu den einsam im Wald hausenden Köhlerhütten führten, besser gemieden werden sollten.

Heute leben im Wald weder dubiose Köhler noch Räuberbanden. Und die wenigen Wölfe, die langsam wieder in unseren Wäldern heimisch werden, sind für Spaziergänger völlig harmlos. Und doch geht immer noch reale Gefahr vom Wald aus: der Beruf des Waldarbeiters zählt zusammen mit Stuntman, Sprengmeister oder Dachdecker zu den 13 gefährlichsten Berufen der Welt.  In der Schweiz sind in den Jahren von 2005 bis 2014  in keinem anderen Beruf mehr Menschen tödlich verunglückt als bei den professionellen Waldfacharbeitern!

Was hat das mit unserer alten Sandsteinsäule – einem Marterl,  wie man sie in Bayern nennt - zu tun? Aufgestellt wurden Marterln oft, um an tragische Ereignisse zu erinnern. Aber kein Förster ist an dieser Stelle von einem Wilderer erschossen und kein Holzfäller von einem Baum erschlagen worden.  Was sich hier vor über 100 Jahren ereignet hat, ist noch viel trauriger: es heißt an einem kalten Wintertag sei ein Kind im Schneefall von der nahen Straße abgekommen und habe sich im Wald verirrt. Als das Kind zu müde zum Weitergehen war,  soll es sich an dieser Stelle in den Schnee gesetzt haben…

Wer weiß, wie wahr die alte Geschichte ist, aber mich erinnert sie gerade daran,  dass Naturliebe immer auch  Respekt vor der Natur bedeutet. Und dass Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und Vorsicht zusammengehören. Ob das bei der Holzarbeit ist, oder beim Pilze sammeln. ;-)

Foto:   Herzlichen Dank für das Foto liebe Lea - www.leasimone.at

 

Faszinierende Bäume

Regelmäßig veröffentliche ich  in meinem Blog Interessantes aus Biologie, Mythologie und von den unzähligen berührenden Geschichten, die sich zwischen Mensch und Baum zutragen

Ein alter Baum. Große Roteiche in der Eremitage in Bayreuth
Amerikanische Roteiche in der Eremitage in Bayreuth.
Natürlich poste ich hier auch alle relevanten Infos zu meinen Veranstaltungen, wie z.B. zu den `Baumhistorischen Kulturspaziergängen`, zum Baumgeschichten Kalender oder zu anderen aktuellen Projekten!

"Pflanz einen Baum, und kannst du auch nicht ahnen,  wer einst in seinem Schatten tanzt, bedenke Mensch: Es haben deine Ahnen, eh' sie dich kannten, auch für dich gepflanzt!" (Max Bewer)