Der ewige Weißdorn

Alter Weißdorn
Tausendjähriger Weißdorn in Wohnsgehaig
Ich gebe zu, ich hatte mir den berühmten Weißdorn von Wohnsgehaig größer vorgestellt. Immerhin nennt man ihn ehrfürchtig den Tausendjährigen. 
Doch mit jedem Schritt, mit dem ich dem Weißdorn näher komme, glaube ich mehr der gelebten Jahrhunderten zu spüren: mit seinem verdrehten, zerfurchten und nur noch in Fragmenten bestehenden Stamm ähnelt er eher einem uralten Olivenbaum.
 
Ein Weißdorn: die ökologisch wertvolle Heckenpflanze, von und mit der 150 Insektenarten leben. Oder die unterschätzte Heilpflanze, um deren Herz stärkende Wirkung die Medizin seit weit über 100 Jahren weiß.
 
Mit dem rasch aufkommenden Nebel tauchen aber andere Gedanken auf. Es heißt, Elfen wohnen in einzeln stehenden Weißdornbäumen. Märchen und Mythen gehen ineinander über. Undurchdringlicher Weißdorn, den man früher auch Schlafdorn nannte, soll das verzauberte Schloss von Dornröschen eingehüllt haben. Und in Glastonbury in England steht noch heute ein uralter Weißdorn, von dem man erzählt, er sei aus dem Wanderstab von Josef von Arimathäa gewachsen. Der Legende nach ließ sich König Artus in jedem Frühjahr einen blühender Zweig dieses Baumheiligtums an seine berühmte Tafelrunde bringen. Und während im Novembernebel die letzten gelben Blätter vom alten Weißdorn fallen, erscheinen mir all diese Geschichten sehr wahr...

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